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Generation Z in der Pflege - Herausforderungen und Chancen für die Personalakquisition

Aktualisiert: 17. Juni

Wie tickt die Generation Z? Und was bedeutet es für die Akquisition von Personal in der Pflege? Martina Hohenberger, DGKP, Caritas Kärnten, derzeit im berufsbegleitenden Masterstudium für „Führungsaufgaben in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens – Gehobenes Pflegemanagement“. hat das Thema beleuchtet und viele praktische Tipps abgeleitet – auch für Arbeitgeber außerhalb des Gesundheitsbereichs. 

 

Sie haben das Thema Generation Z mit besonderem Fokus auf Pflege beforscht: Welche Ergebnisse waren für Sie besonders überraschend?

Der gesamte Themenkomplex ist natürlich sehr umfassend und facettenreich. Für mich besonders überraschend und teilweise auch herausfordernd für meine Arbeit ist, dass all´ das, was wir bisher gekannt oder gelebt haben, wird es in dieser Form zukünftig vermutlich nicht mehr geben. Die Generation Z ist eine Generation, die ausschließlich digital tickt – sie sind mit dem Internet und den neuesten Technologien aufgewachsen. Ihr Wissen scheint schier unendlich zu sein, nicht zuletzt deshalb, weil sie mit ihrem treuen Begleiter, dem Smartphone, sämtliche Themen in Windeseile recherchieren können und Informationen an jedem Ort und zu jeder Zeit abrufbar sind. Sie haben andere Bedürfnisse als die Vorgängergenerationen und für sie spielen Themen wie Flexibilität, Work Life-Balance, Sinnhaftigkeit, flexible Arbeitszeitmodelle, moderne Technologien uvm. eine wesentliche Rolle. Gleichzeitig muss der/die Arbeitgeber*in sich so präsentieren, dass er einerseits attraktiv ist und zum anderen genau die Zielgruppe angesprochen und abgeholt wird. Eine große Herausforderung wird es sein, dass die Loyalität dem*r Arbeitgeber*in gegenüber vermutlich massiv abnehmen wird und durch soziale Plattformen und der starken Vernetzung untereinander könnte das Image des Unternehmens durch negative Kommentare oder Erfahrungen von Einzelnen schnell einen Schaden erleiden.

 

Was daraus ist auch für andere Bereiches außerhalb der Gesundheit relevant?

Die Generation Z bedeutet Veränderung und dies betrifft alle Berufssparten. Es wird zukünftig sehr viele Personen geben, die ein Studium abgeschlossen haben - ich frage mich, wer unter anderem die Handwerksberufe noch ausüben wird. Gleichzeitig ist es wichtig, dass ich mich als Arbeitgeber*in am Markt so positioniere, dass ich immer noch Fachkräfte akquirieren und gleichzeitig, aber auch bestehendes Personal halten kann. Die Generation Z möchte, dass flexible Arbeitszeiten - und auch flexible Arbeitsmodelle eingeführt werden, um Beruf und Privatleben besser vereinen zu können, sie bevorzugen Teilzeitmodelle und Homeoffice, parallel dazu fordern sie Autonomie. Eine Führungskraft ist durchaus gewünscht aber nur als Mentor*in bzw. Coach. Wichtig ist ebenfalls, dass eine sinnstiftende Tätigkeit ausgeübt wird, bei der sie sich zeitgleich selbst verwirklichen können und sie fordern Transparenz und die Einbindung in alle Entscheidungsprozesse. Um effizient und produktiv arbeiten zu können, benötigen sie den Einsatz modernster Technologien. Darüber hinaus erwarten Sie von Unternehmen, dass Ihnen die Möglichkeit zur kontinuierlichen und persönlichen Weiterbildung geboten wird und dies alles in einer ohnehin schon herausfordernden Zeit in der eine Krise die andere jagt. „Jung und Alt zu vereinen“ stellt für viele Führungskräfte eine zusätzliche Herausforderung dar. Was sind mögliche konkrete Empfehlungen für Organisationen in der Pflege? Ganz klar – sich den Veränderungen der heutigen Zeit zu stellen und diese Veränderungen zuzulassen, allen Mitarbeiter*innen aktiv zuzuhören und sich den Bedürfnissen der Mitarbeitenden anzunehmen. Nicht nur die Bedürfnisse der Generation Z sind wichtig, sondern die Bedürfnisse aller im Unternehmen arbeitenden Mitarbeiter*innen. Jede*r sollte über die Bedürfnisse der einzelnen Generationen Bescheid wissen. Wichtig ist es, dass Mitarbeiter*innen Anerkennung und Wertschätzung widerfahren. Offene und transparente Kommunikation sind unerlässlich. Ebenfalls ist es relevant ein Arbeitsumfeld zu entwickeln, in dem sich alle wohl fühlen und jeder seinen Part leisten kann.

 

Was haben Sie persönlich aus der Forschungsarbeit mitnehmen können?

Dafür muss ich etwas ausholen: Für mich war es sehr wichtig über ein Thema zu schreiben, das mich zum einen als Führungskraft selbst betrifft und für meine berufliche Zukunft eine Rolle spielt, und zum anderen aber auch zur heutigen Zeit passt. Das Thema meiner Abschlussarbeit zur akademischen Gesundheits- und Pflegemanagerin war: „New Work in der Pflege – Generation Z“ und die Fragestellung dazu lautete „Sind New Work und Employer Branding die Antwort auf die neue Generation?“. Durch das Verfassen der Arbeit habe ich mir sehr viel Wissen zu den einzelnen Themenbereichen angeeignet. Heute kann ich dadurch besser auf die Bedürfnisse aller meiner Mitarbeiter*innen eingehen und auch leichter mit komplexen Situationen umgehen. Um die Forschungsfrage für Sie kurz und knapp beantworten zu können: JA, ich bin überzeugt davon, dass New Work und Employer Branding eine Antwort auf die neue Generation, in dem Fall die Generation Z sind. New Work steht für Veränderung des Arbeitsumfeldes, für Selbstorganisation und Selbstverwirklichung – all´ das sind Forderungen der neuen Generation. Gleichzeitig spielen das Verfolgen eines Zieles, die Suche nach dem Sinn und Sicherheit eine große Rolle. Teammitglieder, welche in einem New Work-Umfeld arbeiten, arbeiten autonom, sie entscheiden selbst wann, welche Tätigkeiten ausgeführt werden. Es gibt zwar eine Verwaltung, die Rahmenbedingungen vorgibt, aber die Ziele und auch das Verfolgen der Ziele erfolgt vollständig autonom. Dashboards liefern Transparenz und für Abweichungen gibt es zuvor festgelegte Vorgehensweisen und Verantwortliche. Mitarbeiter*innen in einem New Work- Umfeld erstellen sich auch beispielsweise ihren Dienstplan selbst – so entscheidet jede*r Einzelne*r wann er arbeiten kann und möchte, und für drohende Engpässe kann auf einen Pool von Mitarbeiter*innen zurückgegriffen werden. Durch Teamarbeit entsteht nicht nur eine höhere Arbeitszufriedenheit, sie trägt auch wesentlich zur Gesundheit der Mitarbeiter*innen bei. Auch wenn die Teammitglieder völlig autonom arbeiten und ihre Ziele auch autonom verfolgen, heißt dies nicht, dass es keine Führung mehr von außen benötigt, aber das Team führt jene Person an, die die beste Eignung dafür aufweist. Die Neupositionierung des Unternehmens am Markt und die Erstellung einer Employer Brand ist das Ziel des Employer Branding. Es ist wichtig sich von anderen Unternehmen abzuheben, um attraktiv und wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Neupositionierung spricht vor allem die Generation Z an und durch den Eintritt der neuen Generation in die Arbeitswelt sehen sich Unternehmen mit verschiedensten Herausforderungen konfrontiert. Dennoch bringt die neue Generation frischen Wind und genau dieser ist angemessen für die heutige Zeit, auch wenn damit noch viele Veränderungen einhergehen und vor allem die Vorgängergenerationen noch an ihre Grenzen kommen werden.


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